Nietzsche stellt in Bezug auf die Christen eine Frage, die uns ein ständiger Anreiz bleiben sollte: «Bessere Lieder müssten sie mir singen, dass ich an ihren Erlöser glauben lerne: erlöster müssten mir seine Jünger aussehen!»[1]. Gewiss, doch das Wissen, sich ein Lächeln aufsetzen zu müssen, reicht nicht aus, zumal uns dies noch mehr zum Vorwurf gemacht würde (wie ein Sektenmerkmal). Wir bitten um die Hilfe des Heiligen Geistes, damit die Freude der Auferstehung wirklich in uns gegenwärtig ist, auch in den tränenreichen Zeiten, die ebenfalls zum christlichen Leben gehören.

Dieser Frage eines deutschen Philosophen möchte ich eine weitere Bemerkung eines anderen deutschen Philosophen, Dietrich von Hildebrand, hinzufügen. Er war ein starker Kritiker (während des Nationalsozialismus) sowohl des Nationalsozialismus als auch des Kommunismus, und zwar aus dem gleichen Grund: Der Mensch kann nicht auf seine Materie reduziert werden (der Nazi-Rassismus ist eine Form des Biologismus). Hildebrand zeigt die Welt auf, die man aufbauen könnte, wenn man an die von Christus angekündigte ewige Bestimmung glaubt: «Nach der christlichen Auffassung besitzt jeder Mensch eine unsterbliche Seele, die zum Gefäss der Gnade und zur ewigen Gemeinschaft mit Gott bestimmt ist und die darum einen höheren Wert besitzt als alles Übrige auf Erden. Das Schicksal von Staaten, Nationen, Völkern als solchen ist unvergleichlich weniger wichtig als das ewige Heil einer einzigen unsterblichen Seele»[2].

Denken wir darüber nach, was die gute Nachricht der Auferstehung für uns persönlich bedeutet, aber auch darüber, dass diese gute Nachricht die Welt verändert. Unser Beitrag erscheint etwas banal, wenn wir von «christlichen Werten» sprechen, die von ihrer Quelle losgelöst sind («Werte», ohne dass Jesus Christus zitiert wird) und darauf abzielen, die Welt auf der Grundlage einer gewissen Freundlichkeit aufzubauen, die uns nicht mehr anzieht, sondern eher abstösst. Wenn wir aber jeden Menschen wahrnehmen als einen vom Sohn Gottes bis zum Kreuz geliebten und zur «ewigen Gemeinschaft mit Gott» geladenen Menschen, dann verändert dies das Gesicht der Welt. Lassen wir es uns jedes Jahr im Gebet wiederholen, damit es sich auch in unserem Innern bewahrheitet: Frohe Ostern!

 

+ Charles Morerod OP

[1]  Also sprach Zarathustra, Zweiter Teil, Von den Priestern

[2] Dietrich von Hildebrand, Memoiren und Aufsätze gegen den Nationalsozialismus 1933-1938, Mit Alice von Hildebrand und Rudolf Ebneth herausgegeben von Ernst Wenisch, Mainz: Matthias-Grünewald-Verlag, 1994, S.331.