Wir haben es gesehen und gehört: Die grösste «religiöse» Gruppe in der Schweiz sind nunmehr die Menschen ohne Konfession. Darüber bin ich selbstverständlich nicht überrascht, handelt es sich dabei doch bloss um die Fortsetzung einer Entwicklung, die ich seit meiner Jugendzeit beobachte. Wohl schon damals gehörte bereits ein Grossteil meiner Mitschüler zu dieser Gruppe. Hierfür gibt es sicherlich viele Ursachen, aber welche Mitverantwortung tragen wir selbst? Die Missbrauchsfälle haben diese Entwicklung sicher beschleunigt, sie liegt aber auch darin begründet, dass unsere Bezüge fremd, ja unverständlich geworden sind. So manches Mal wird uns vorgeworfen, wir seien erstarrt in einer Sichtweise, die 2.000 Jahre alt ist. Darauf sind unterschiedliche Reaktionen denkbar: 1. die Resignation, 2. der Rückzug in den Eifer kleiner Gruppen, 3. ein realistischer missionarischer Aufbruch.

Diese dritte Antwort wird Gegenstand meines nächsten Hirtenbriefs (am dritten Fastensonntag) und der nächsten diözesanen Weiterbildungstage sein. Was ist mit diesem Elan gemeint? Auf die Aussage, dass unser Bezugspunkt im ersten Jahrhundert begraben worden ist, können wir antworten, dass Christus lebt, dass es schön ist, bei ihm zu sein, und dass er auch heute noch eine Gemeinschaft um sich versammelt, der er sein Leben schenkt. Was keine Statistik zeigt – auch weil das nicht ihre Aufgabe ist –, ist die Freude, die die Menschen empfinden, die heute noch den Glauben entdecken (ich dagegen sehe sie, und zwar mit grosser Freude). Auch wenn ich mich wiederhole: Wenn wir uns mit dieser Statistik nicht einfachhin abfinden wollen, müssen wir zu lebendigen Gemeinden werden, zu denen man gerne zurückkehrt. Dazu müssen wir auch die Veränderungen in Kauf nehmen, die es für einen solchen neuen Aufbruch braucht.

+ Charles Morerod OP