Der Oktober ist der Rosenkranzmonat. Das Rosenkranzgebet ist eine Einladung, das Leben Jesu mit den Augen seiner Mutter und mit den Augen des Vaters zu betrachten. Diese Blicke sind natürlich tiefer als unser eigener und können ihn Blick erheben.
Die Bestimmung des Oktobers als Rosenkranzmonat geht auf Papst Leo XIII. zurück, beginnend mit seiner Enzyklika *Supremi Apostolatus Officio* vom 1. September 1883: „Wir wollen auch, dass der ganze Monat Oktober des laufenden Jahres der himmlischen Königin vom Rosenkranze gewidmet und geweiht sei“ 1. Er führte diese Entscheidung, die ursprünglich nur für das Jahr 1883 galt, in der Folge fort.
Papst Leo XIV. zeigt in seinem Namen eine Kontinuität zu Leo XIII., und der Bezug zur Soziallehre der Kirche ist deutlich erkennbar. Die Enzyklika „Rerum Novarum“ von Leo XIII. (15. Mai 1891) ist kein radikaler Neuanfang, da die Kirche den Armen schon immer ihre Aufmerksamkeit gewidmet hat, doch sie begründet die „Soziallehre der Kirche“, die den mit der industriellen Revolution verbundenen Verhältnissen Rechnung trägt. Diese Enzyklika verwendet sehr klare Worte: „Unehrenvoll dagegen und unwürdig ist es, Menschen bloss zu eigenem Gewinne auszubeuten und sie nur so hoch anzuschlagen, als ihre Arbeitskräfte reichen “ 2.
Es handelt sich hierbei nicht um eine blosse Analyse der wirtschaftlichen Verhältnisse, sondern um einen Blick im Lichte des Evangeliums: „Es ergeht also die Mahnung der Kirche an die mit Glücksgütern Gesegneten, dass Reichtum nicht von Mühsal frei mache, und dass er für das ewige Leben nichts nütze, ja demselben eher schädlich sei. Die auffälligen Drohungen Jesu Christi an die Reichen müssten diese mit Furcht erfüllen, denn dem ewigen Richter wird einst strengste Rechenschaft über den Gebrauch der Güter dieses Lebens abgelegt werden müssen. “3 Die Betrachtung des Evangeliums im Rosenkranzgebet wirkt sich auch auf die Soziallehre aus: Die Menschen im Licht Christi zu sehen, der sein Leben für sie hingibt, ist mit ihrer Ausbeutung nicht vereinbar.
Vor den Augen Jesu „bewahrte seine Mutter all die Worte in ihrem Herzen“ (Lk 2,51). Der Rosenkranz lässt uns an dieser Betrachtung teilhaben. Es handelt sich nicht um die Spiritualität einer Kirche, die sich nicht um eine Welt kümmern würde, die politischen und wirtschaftlichen Kräften überlassen ist. Leo XIII. zeigt uns die gesellschaftlichen Auswirkungen der Betrachtung des Evangeliums. Und dies verleiht den christlichen Äusserungen zu sozialen Fragen eine ganz eigene Prägung.
+ Charles Morerod OP
1 https://www.vatican.va/content/leo-xiii/fr/encyclicals/documents/hf_l-xiii_enc_01091883_supremi-apostolatus-officio.html?utm
(https://www.stjosef.at/dokumente/supremi_apostolatus.htm)
(https://www.iupax.at/dl/OmnLJmoJnnmJqx4KJKJmMJMLMm/1891-leo-xiii-rerum-novarum.pdf)
3 Ebd.