Dieses Wort für den September schreibe ich am 28. August, dem Fest des heiligen Augustinus. An diesen grossen Kirchenvater wurde ich durch einen Brief einer jugendlichen Firmandin erinnert: „Für mich bedeutet Christsein, jemanden zu haben, der einen manchmal besser versteht als man sich selbst.“ Wie könnte man darin nicht den heiligen Augustinus wiedererkennen: „Tu autem eras interior intimo meo“1 („Du aber warst innerer als mein Innerstes“)
Steckt in dem Brief, den ich erhalten habe, ein Einfluss des heiligen Augustinus? Das ist möglich, aber wahrscheinlicher ist, dass es sich um eine geistliche Erfahrung handelt, die diesen beiden Menschen gemeinsam ist, denn es ist derselbe Geist, der wirkt. Und darin liegt eine tiefe Quelle der Hoffnung: Unter der Oberfläche einer beunruhigenden Welt verbirgt sich das innere Leben. Und genau dort entscheiden sich unsere Entscheidungen. Dort vereint Gott uns persönlich und gemeinschaftlich. Dort liegt der Antrieb zur Nächstenliebe, auch gegenüber dem Feind. Unser Glaube ist nicht einfach nur eine Quelle von Ideen oder Systemen, die wir umsetzen können, sondern er ist in erster Linie ein Wirken Gottes, das Leben und Freude schenkt.
Bitten wir Gott, tief in den Herzen zu wirken, insbesondere in den Herzen der Menschen, die entscheiden können, ob sie einen Krieg beginnen oder nicht.
+ Charles Morerod OP
1 Augustinus, Confessiones, III, 6, 11.