In der Enzyklika Laudato Si‘ verwendet Papst Franziskus den Begriff „gemeinsames Haus”, um den Planeten Erde und alle menschlichen und nicht-menschlichen Lebewesen, die ihn bevölkern, zu bezeichnen. Er erklärt, dass es notwendig ist, die soziale Dimension mit der ökologischen Dimension zu verbinden, um ein würdiges und nachhaltiges Leben zu gewährleisten. Wenn wir die Symbolik des Hauses aufgreifen und uns dabei vom Wirtschaftsmodell von Kate Raworth inspirieren lassen, können wir sagen, dass dieses Haus in erster Linie aus einem ökologischen Dach besteht. Es setzt sich aus den neun planetarischen Grenzen zusammen, die von einer internationalen Gruppe von 26 Forschern vorgeschlagen wurden, die sich auf das Erdsystem spezialisiert haben und von Johan Rockström vom Stockholm Resilience Centre und Will Steffen von der Australian National University geleitet werden. Das Modell der planetarischen Grenzen identifiziert elf Variablen, deren Grenzen nicht überschritten werden dürfen, da dies zu einer möglicherweise irreversiblen Störung des globalen Ökosystems führen würde. Dieses Modell bewertet den aktuellen Zustand jeder dieser Variablen, um auf die besorgniserregendsten und dringlichsten Umweltprobleme aufmerksam zu machen. Im Herbst 2023 werden sechs der neun planetarischen Grenzen von der wissenschaftlichen Gemeinschaft als überschritten angesehen. Darüber hinaus basieren die Fundamente des Hauses auf einem sozialen Fundament. Kate Raworth weist darauf hin, dass zwölf soziale Grundprinzipien für alle Menschen garantiert sein sollten. Derzeit leben laut der Organisation Oxfam eine Milliarde der sieben Milliarden Menschen auf der Erde in extremer Armut, die vermeidbar wäre. Zwischen der ökologischen Obergrenze und der sozialen Untergrenze gibt es einen sicheren und gerechten Raum für die Menschheit. Dieses donutförmige Wirtschaftsmodell bietet Indikatoren, um die soziale und ökologische Dimension miteinander zu verbinden.

Es ist jedoch wichtig zu bedenken, dass diejenigen, die am wenigsten zur Ausweitung dieser ökologischen Obergrenze auf globaler Ebene beitragen, d. h. die ärmsten Menschen, meist am stärksten unter dem Klimawandel und dem Verlust der biologischen Vielfalt leiden, die sich direkt auf ihre Lebensgrundlagen auswirken. Die Verantwortung dafür, dass die planetarischen Grenzen nicht überschritten werden und gleichzeitig alle Menschen Zugang zu den Grundbedürfnissen haben, teilen sich die Regierungen der Länder des globalen Südens und Nordens, wobei jedoch zwischen den einzelnen Ländern differenziert werden muss. Die Schweiz nimmt unter den 191 Ländern den ersten Platz im Human Development Index (HDI) ein, der von den Vereinten Nationen zur Messung des Fortschritts eines Landes verwendet wird. Sie trägt daher eine grosse Verantwortung in diesem gemeinsamen Haus.

¹. RAWORTH Kate, « La Théorie du Donut, l’économie de demain en 7 principes » (Die Donut-Theorie, die Wirtschaft von morgen in 7 Prinzipien), Paris, Plon Verlag, 2018.