{"id":6047,"date":"2026-05-29T10:45:00","date_gmt":"2026-05-29T08:45:00","guid":{"rendered":"https:\/\/diocese-lgf.emblematik.dev\/mot-de-leveque-de\/"},"modified":"2026-06-05T07:34:48","modified_gmt":"2026-06-05T05:34:48","slug":"mot-de-leveque-de","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/diocese-lgf.ch\/de\/mot-de-leveque-de\/","title":{"rendered":"Wort des Bischofs"},"content":{"rendered":"<div class=\"pf-content\">\t\t<div data-elementor-type=\"wp-post\" data-elementor-id=\"6047\" class=\"elementor elementor-6047 elementor-5465\" data-elementor-post-type=\"post\">\n\t\t\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-f14166a elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"f14166a\" data-element_type=\"section\" data-e-type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-397f800\" data-id=\"397f800\" data-element_type=\"column\" data-e-type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-eaea7aa elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"eaea7aa\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<p>Ich schreibe Ihnen im Anschluss an Pfingsten. Die Erfahrung der sechs Erwachsenenfirmungen ist mir noch sehr pr\u00e4sent. Man sp\u00fcrt hautnah das Wirken Gottes und die Vielfalt seiner Gaben.<\/p><p>Und am Pfingstmontag hat uns Papst Leo XIV. seine Enzyklika <em>Magnifica Humanitas<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><strong>[1]<\/strong><\/a><\/em> geschenkt. Die Wahl seines Namens Leo zeigt eine bewusste Ankn\u00fcpfung an die Soziallehre der Kirche, die sich auf die Enzyklika <em>Rerum novarum<\/em> von Leo XIII. (1891) bezieht. Leo fasst \u00fcbrigens zusammen, was die nachfolgenden P\u00e4pste seit 1891 zu diesem Thema geschrieben haben, und zitiert seinen Vorg\u00e4nger Paul VI., um auf die Notwendigkeit situationsgerechter Antworten hinzuweisen: \u201e[\u2026] der heilige Paul VI. [erkannte], dass es angesichts der grossen Vielfalt geschichtlicher Situationen unrealistisch ist, zu denken, dass die Soziallehre eine einzige Antwort geben kann, die f\u00fcr alle Kontexte g\u00fcltig ist;\u00a0deshalb forderte er alle christlichen Gemeinschaften auf, mit klarem Blick und mit Verantwortungsbewusstsein die Gegebenheiten ihres jeweiligen Landes zu betrachten.\u201c (\u00a7 26). Im Zentrum der Soziallehre steht die W\u00fcrde der menschlichen Person.<\/p><p>Papst Franziskus hatte das Thema \u00d6kologie in die Soziallehre aufgenommen (in seiner Enzyklika <em>Laudato Si\u2019<\/em> von 2015). Sein Nachfolger zeigt nun auf, wie das Thema der k\u00fcnstlichen Intelligenz (KI) darin integriert werden kann. Er will weder deren Nutzen leugnen noch in dieser sich entwickelnden Frage ein endg\u00fcltiges Urteil f\u00e4llen, sondern wirft Fragen zu den Auswirkungen auf den Menschen auf. Dabei geht es zum Teil um direkt wirtschaftliche Auswirkungen (Verlust von Arbeitspl\u00e4tzen, ungleicher Zugang zu dieser Ressource, Bedingungen der Rohstoffgewinnung und des Energieverbrauchs\u2026), im Zentrum der Frage steht jedoch eine Vision der Menschheit, die er uns als grossartig vorstellt.<\/p><p>Eine Passage hat grosse Aufmerksamkeit erregt: \u201eKI zu entwaffnen bedeutet, sie der Logik des bewaffneten Wettbewerbs zu entziehen, der heute nicht mehr nur milit\u00e4rischer, sondern auch wirtschaftlicher und kognitiver Natur ist\u201c (\u00a7 110). KI pr\u00e4sentiert sich als Ausgleich f\u00fcr die menschlichen Grenzen. Der Papst kommentiert: \u201e[\u2026] im Guten aufzubauen [bedeutet], die Begrenztheit und Schw\u00e4che des Menschen zu akzeptieren, ohne sie als einen Fehler zu betrachten, der korrigiert werden m\u00fcsste\u201c (\u00a7 12). Er f\u00fcgt hinzu, dass der Glaube zwar eine Verbesserung ins Auge fasst, aber auf einer ganz anderen, buchst\u00e4blich \u00fcbernat\u00fcrlichen Ebene: \u201eDer Ausdruck\u00a0<em>more than human<\/em>\u00a0geh\u00f6rt nicht allein zur Sprache der Verheissungen der Technik. Seit Jahrhunderten macht die christliche Tradition geltend, dass der Mensch nicht auf die Grenzen seiner Natur beschr\u00e4nkt ist, sondern dazu berufen, sich selbst zu \u00fcbersteigen: nicht um der Wirklichkeit zu entfliehen oder um Begrenzungen zu missachten, sondern um in der Liebe vollendet zu werden. Der Glaube weiss um ein \u201eDar\u00fcber-Hinaus\u201c, das aus der Gnade Gottes kommt\u201c (\u00a7 127).<\/p><p>Dieser augustinische Papst kn\u00fcpft an \u00abDe civitate Dei\u00bb an, indem er eine Sicht der Geschichte als Aufbau zweier St\u00e4dte darlegt: \u201e\u2018Zweierlei Liebe also hat die beiden St\u00e4dte gegr\u00fcndet, und zwar die weltliche Stadt die bis zur Verachtung Gottes gesteigerte Selbstliebe, die himmlische Stadt die bis zur Verachtung ihrer selbst gehende Gottesliebe.\u2019\u201c (Zitat aus <em>De civitate Dei<\/em> von Augustinus in \u00a7 130). Eine interessante Variante dieser Dynamik findet sich, wenn der Papst sagt: \u201e[\u2026] die erste Entscheidung [ist\u2026] nicht die zwischen einem \u201eJa\u201c oder einem \u201eNein\u201c zur Technologie, sondern die zwischen der Konstruktion von Babel oder dem Wiederaufbau Jerusalems, zwischen einer Macht, die sich anmasst, den Himmel zu beherrschen, und einem Volk, das sich in Gottes Gegenwart vereint ans Werk macht, die Mauern des geschwisterlichen Zusammenlebens wiederaufzubauen\u201c (\u00a7 9).<\/p><p>Die Enzyklika, wenn sie sich mit dem durch KI erleichterten Zugang zu Informationen befasst, fordert die Kirche in diesem Zusammenhang auch zu einer Gewissenspr\u00fcfung auf: \u201eAuch die christlichen Gemeinschaften m\u00fcssen an einer transparenten Kommunikation und ehrlichen Suche nach Fakten mitwirken. Leider ist dies nicht immer der Fall gewesen. Mit Scham haben wir miterlebt, wie schmerzhafte Wahrheiten auch \u00fcber Mitglieder der Kirche und \u00fcber kirchliche Wirklichkeiten ans Licht kamen. Insbesondere einige Journalisten, denen die Wahrheit am Herzen liegt, haben eine wesentliche Rolle dabei gespielt, Ungerechtigkeit und Missbrauch ans Licht zu bringen. An sie m\u00f6chte ich erneut die Worte richten, die Papst Franziskus in seiner Ansprache vor den Vatikan-Korrespondenten sagte: \u2018Ich danke euch auch f\u00fcr eure Berichte dar\u00fcber, was in der Kirche nicht stimmt, daf\u00fcr, dass ihr uns helft, es nicht unter den Teppich zu kehren, und f\u00fcr die Stimme, die ihr den Opfern von Missbrauch gegeben habt\u2019.\u00a0Wachsamkeit und Transparenz sind jedoch in erster Linie eine schwerwiegende Verantwortung der Kirche selbst, und wir d\u00fcrfen nicht darauf warten, dass andere uns zwingen, uns mit unbequemen Wahrheiten \u00fcber uns selbst auseinanderzusetzen\u201c (\u00a7 138).<\/p><p>Ich schliesse mit einer pers\u00f6nlichen Erfahrung. Auf die Frage \u00abWas w\u00fcrdest du einer Person sagen, die leidet?\u00bb antwortet die KI mit einer langen Theorie. Doch ein Mensch, der einem anderen Menschen gegen\u00fcbersteht, verf\u00fcgt \u00fcber ein Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen, das ihn manchmal dazu veranlasst, gar nichts zu sagen, anstatt eine Theorie von sich zu geben, sondern einfach nur da zu sein.<\/p><p style=\"text-align: right;\">+ Charles Morerod OP<\/p><p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/leo-xiv\/de\/encyclicals\/documents\/20260515-magnifica-humanitas.html\">https:\/\/www.vatican.va\/content\/leo-xiv\/de\/encyclicals\/documents\/20260515-magnifica-humanitas.html<\/a><\/p>\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich schreibe Ihnen im Anschluss an Pfingsten. Die Erfahrung der sechs Erwachsenenfirmungen ist mir noch sehr pr\u00e4sent. Man sp\u00fcrt hautnah das Wirken Gottes und die Vielfalt seiner Gaben. 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